| Mona
Enzinger "CLEO CESARE"
geboren in Spittal/Drau (A), wohnhaft in Freilassing - Gewerbegasse 6a (D)
Zur Ausstellung 22. Juli 1997: Abstrakte Kombinatorik Dies ist eine Ausstellung des Museums für Moderne Kunst München in den Räumen der Galerie Plattform:Kunst. Gezeigt werden Bilder und Skulpturen von Mona Enzinger. Mona Enzingers Bilder sind im Horizont einer Reflexion des Verhältnisses zwischen Kunst und Alltag zu verstehen. Insofern muß sich auch eine gebrochene Ästhetik artikulieren. D. h. Mona Enzingers Bilder und Skulpturen arbeiten mit der Dialektik, die Künstler widerfahren, sofern sie die Gesetze des Kunstmarktes nicht beachten. In diesem Sinne sind ihre Bilder "voraus-denkend". Ganz konkret ist dies beispielsweise an ihren Kombinationsbildern abzulesen. In der Ausstellung ist eine eigentliche in sich abgeschlossene Reihe von Bildern zu sehen - aber die Bilder sind einzeln zu erwerben. Diese Bilder wiederholen in ihrem Zusammensein die Motivik eines ganz bestimmten Bildes: formenphilosophisch gewendet das Motiv - ein Bild. Mit dem Herausbrechen eines Bildes entsteht nicht ein Fragment, sondern die Reihe wird neu zusammengestellt, zusammengefügt. Um eine erneute stimmige Wahrnehmung zu bekommen, werden die Bilder auch auf den Kopf gestellt oder seitlich aufgehängt. Diesem "äußerem" Prinzip entspricht gegenläufig ein "inneres". Die Bilder sind in
bunten Farben angelegt. Farbschlieren überziehen das
Bild - begrenzen es an bestimmten Stellen und öffnen es
doch ins Unbegrenzte an anderen Stellen. Man spürt eine
Kombination von europäischer Kompositionskunst und
amerikanischem All-over und zweitens eine Kombination von
gänzlich unterschiedlichen Künstlersprachen, über die
Mona Enzinger unmittelbar verfügt. Manche Arbeiten
zeichnen sich durch eine figurative schematische
Gestensprache aus. Dicke schwarze Linien - auch farbige
-, Zickzacklinien überziehen das Bild, formulieren einen
Figurenkanon. Aber die Bilder werden selten so konkret,
genauer: nur ganz bestimmte Bilder, nur ein ganz
bestimmter Mona Enzingers
Bilder arbeiten mit der Einbildungskraft des Betrachters.
Der Betrachter und das Bild ergeben in diesem Sinne erst
das fertige Bild. Ihre Bilder sind für den Betrachter
der Anlaß sein eigenes Bild zu erkennen. Sie eröffnen
Projektionsflächen des Betrachters. Der bewußte
Betrachter nimmt wahr, daß er mit seinem eigenem Bild
konfrontiert wird. Es wird ihm durch die Bilder lediglich
zu gespiegelt. Mona Enzingers Bilder sind in einem hohen
Maße für den Betrachter in sich beweglich, deshalb nach
1990, wo eine Intensivierung der Vereinzelungsstruktur
wahrzunehmen ist, eminent aufklärerisch. D.h. die Bilder
spiegeln auf Grund ihrer Offenheit die jeweilige
Verfassung des betrachtenden Subjektes. Erst das
Gespräch macht diese Offenheit - die möglichen
Vereinzelungen sichtbar und, daß es zu diesen Bildern
keinen sensus communis unmittelbar geben kann. Erst wenn
sich die unterschiedlichen Interpretationsmöglichkeiten
in ihrer scheinbar totalen Differenz erkennen, stellt
sich die Frage nach dem tertium comparations, nach dem
Gemeinsamen der unterschiedlichen Wahrnehmungshorizonte,
der unterschiedlichen Wahrnehmungsdispositionen. Mona
Enzinger artikuliert genau diesen Sachverhalt durch die
gelassene und zugleich souveräne Geste, ohne ihr
Dazutun, ohne Einfluß zu nehmen ihre Bilder von anderen,
in diesem Fall von mir, auswählen und hängen zu lassen.
Ein anderer Ausstellungsmacher würde aus ihrem
Bilderpool einer abstrakten Kombinatorik andere Bilder
auswählen, die einen anderen gedanklichen Horizont
entfalten. Diese Interpretation ist ein Ausschnitt der
Interpretationsangebote, die dieser Bilderpool
unmittelbar darstellt und ermöglicht. Dieser Bilderpool
ist unmittelbar dieser Interpretation überlegen. Diese
Ausstellung, diese Auswahl der Bilder ist insofern eine
Begrenzung ihres Bilderpools. Imaginär löst sich diese
Einseitigkeit der Auswahl der Bilder, diese Entscheidung
durch andere Ausstellungen aber bereits jetzt |